Sonntag, 12. November 2017

Oma Tietjes neues Handy



In Dröbermoor leben drei Generationen noch unter einem Dach ohne dass es sich um ein mit EU Geldern gefördertes Wohnprojekt handelt. Einfach so, wie es immer war.
So auch bei den Tietjes. Hermann und Heike Tietje leben mit Sohn Hinrich in der einen Wohnung und Oma Else Tietje hat die kleine Einliegerwohnung nach hinten raus zum Gemüsegarten, den es übrigens ohne sie schon lange nicht mehr geben würde. Hermann und Heike fahren nämlich an fünf Tagen in der Woche nach Stade zur Arbeit. Da bleibt keine Zeit für das Gemüse.  Heike und Hermanns Lebensplan sah auch nach Hinrichs Geburt keine langen Pausen vor. Tilgungsraten für den Hausumbau, die zwei Autos und die Urlaubsreisen sogar bis in die Karibik nehmen keine Rücksicht auf Kinder. So passte es nur zu gut, dass Oma Else mit im Haus lebte.
Neider, ganz besonders die, die keine Omas und Opas in ihre Kinderaufzucht integrieren können, sprechen immer schnell von Seniorenausbeutung.
Ist aber nicht so!
Na ja, nicht immer.
Bei den Tietjes in Dröbermoor zumindest nicht. Hier haben wir eine klassische „Win Win“ Situation. Heike und Hermann können Geld ranschaffen, abends ausgehen oder eine Woche ohne Kind mit dem Kegelverein nach Gran Canaria fliegen. Außerdem konnten sie zwei Jahre KiTa Gebühren sparen und brauchten sich bis heute nie um die Hausaufgaben von Hinrich kümmern.
Oma Else hatte nach dem Tod von Opa Erwin neben dem Gemüsegarten und der Wäsche für die ganze Familie nun auch noch den kleinen Hinrich, ihren „lütt Schietbüdel“ oder „Sünnschien“.
Oma und Hini verbrachten die meisten Stunden des Tages gemeinsam. Oma Else hat der Jung  es auch zu verdanken, dass er zweisprachig aufgewachsen ist. Else hat vom ersten Tag  Platt mit ihm gesprochen. Nur wenn Mama und Papa zu Hause waren, wurde Hochdeutsch gesprochen. Else hat all ihr Wissen und ihre Ansichten bewusst oder unbewusst an den Jungen weitergegeben. So konnte er schon mit acht Jahren Rührteig machen, alleine Eier aus dem Stall holen oder beim Bohnen legen und Erbsenbusch stecken helfen. Das Gemüse in seinem kleinen Kindergarten wuchs nicht schlechter als das von Oma Else. Seinen Opa Erwin kannte er so gut, als wäre er nicht schon vor seiner Geburt gestorben. Wie oft begannen Omas Geschichten mit den Worten „Als Opa Erwin noch lebte,…“.
Hini und seine Oma lachten und weinten zusammen.
Damals, als Grete von nebenan über den Zaun rief: „Else kanns mool in Grooben bi Wienbarch kieken. Dor licht´n  swatte Katt. Süht ut as dien Mohrle.
Süht verdammt no´n Unfall mit´n  Auto ut.“
Oma Else und Hini sind dann gleich hin, mit der Schubkarre. Es war Omas Mohrle, die Mohrle, die immer so wunderbar auf Hinis Schoß schnurrte, wenn er auf Omas Sofa saß und fernsah.  Als Oma ihre Mohrle eindeutig Identifiziert hatte und auf die Karre legte, war es mit Hinis Fassung vorbei. Er begann bitterlich zu weinen.
„Oma, is de Mohrle nu för alle Tieden dood?“
„Jo, mien Jung. De schall nu woll in Kattenheeben ween. Viellicht dröpt se dor jo Opa Erwin.“
„Oober Opa is doch keen Katt, Oma.“
„Nee hest jo recht, oober ick glöv, dat dat ohnhin nur een Heeben gift för de Dierten as wi för de Minschen. Un, wenn dat so is, dann find sick Opa un Mohrle viellicht doch.“
Oma Else wischte sich Tränen aus den Augen.
„Nütz allns nix, Jung. Hört wi op mit dat Geblarr. Wi möt Mohrle ´n  scheunen Platz in  Goorn söken. Een Oort, wo wi er begroben künnt un wo se ewigen Freden fin.“
Sie einigten sich auf ein Grab unter dem alten Quittenbaum.
Mohrles Tod sorgte immer wieder für ernste Gespräche zwischen Oma Else und ihrem Enkel. Gespräche über die Endlichkeit des Lebens und das, was wohl nach dem Tode kommt.
„Oma, ick bin trurich.“
„Worüm, wegen Mohrle?“
„Jo, ook. Oober…“
„Oober wat? Schnack wieter, Jung.“
„Du büst all soo oll, Oma.“
„Joo, dat stimmt. Oober  dat is all lang keen Grund taun trurich ween.“
„Oole Minschen bleevt doot, Oma. Stimmt doch?“
„Joo Hini.“
„Dann mötst du ook starven. Un dat mookt mi trurich, Oma.“
„Ach wat, Hini Jung, nu wees man nich trurich. So fix wull ick eegentlich nich noo Opa hen. Geiht jo ook gor nich.“
„Worüm geiht dat nich?“
„Wieldes dann keen dor is, de di dien Büxen wascht un flickt oder dien Schoolopgooben kontrolleert.“
„Oober irgendwann is dat doch bi di ook mool so wiet? Un dat mookt mi truurich!“
„Joo, so is dat. Irgendwann röpt de leewe Gott uus all tau sick in Heeben. Un, wenn dat dann mool so wiet is, mötst du nich trurich ween. Ick sitt dann dor booben op´n Wolk un kiek rünner op de Eer. Un, wenn ick seh, dat du Unrecht´s doost oder slecht öber dien Oma denkst. Dann spei ick di op´n Döz!“
Sie lachten bei der Vorstellung, dass Oma Else von einer Wolke herab auf ihren Enkel spucken würde.
Ein anderes Mal bemerkte Hini, wie seine Oma beim Lesen der Todesanzeigen mit sich sprach.
„Walli Hinck ook all doot bleeben. Twee Johr jünger  as  ick un secht keen Piep un keen Papp mehr!“
Oder:
„Süh an, Käthe Bloohm is dree Johr öller worn, as  ick nu bün. Dann heb ick jo noch dree Johr. Wat har de veele Kinner un Enkelkinner hat. Un een Traueranzeich vun Gesangvereen Kolbingerhooben un een vun de Schützen. Viellicht schall ick ook noch in Scheetvereen inpedden. Mookt sick doch nich slecht in`e Zeitung.“
„Oma, hest du eegentlich Angst. Ick meen ob du bang büst vun wegen doot bleeben?“
Oma Else nimmt sich ein wenig Zeit bevor sie antwortet.
„Nöö, so richtich bang bün ick nich. Nöö, de Herrgott ward dat all schon ergendwie fügen, Hini.“
„Oober soon lütt büschen bang bist du doch, woll?“
„Nee ick bün nich bang wegen Dood as solken. Ne dat nich.“
„Oma, wat is dat denn?“
„Hini, mien Jung, kannst du swiegen?“
„Na kloor, Oma.“
„Weetst du, Hini, wo ick för bang bün? Nich för´t starven. Nee. Bang bün ick, dat ick viellicht nich richtich doot bün. Dat de Doktor mi doot schriewt. Scheintod secht se dortoo. Dat se mi in Sarch packt un inbuddeltt un ick dann 180 cm ünner de Eer opwaken dee un kum nich rut ut de Kist. Versteihst?“
„Jo Oma. Un so wat givt dat in Leewen?“
„Jo, allns schon passeert.“
Hini macht ein nachdenkliches Gesicht. Plötzlich entspannt es sich.
„Oma, möötst nich länger bang ween. Ick hebb dor soo´n  Idee. Mit Alarmanlooch oder soo. Loot mi mool moken. Ick hebb dor all wat in mien Breegenkassen.“
„Ach Hini, mien Schietbüdel, wonehm hest du bloots all de spinnerten Gedanken?“
Die eben noch verzweifelte Oma lächelt ihren Enkel an.
Ein paar Tage später.
Oma Else und Hini sitzen auf der Küchenbank. Hini rechnet die letzte Aufgabe, als er plötzlich die Arbeit einstellt.
„Oma ick hebb´n  Lösung för dien Problem mit den Sarch. Wi brukt ´n  Barch Göld un Tied. Joo Tied brukt wie, jede Menge Tied.“
„Na, denn loot de Katt man ut´n Sack.“
„Oma, du mötst nu´n beeten Geduld hem, dröffs mi nich jümmer ünnerbreeken. Geiht dat klor?“
„Jo, man tau!“
„Also de Idee keem mi hüüt in´e Geschichtstünn. Herr Peters hett uus vertellt vun´t Grav vun Tut Anch Amun mit all de kostboren Grav Biloogen.“
„Un wat hebb ick mit denn ollen Ägypter tau doon?“
„Ooooma, wat hebb ick di secht? Eenfach mool stillswiegen.“
„Jo, ick will mi bemöhn.“
„Oma du kriss  ok´n Gravbiloog. Nich vun Guld un so. Is man bloots een Samsung. Soon Handy as wi dat, dat mine Öllern mi tau Wiehnachten schenkt hebt. Givt dat för 82 Euro in Internet. Oohnst wat, Oma? Begriepst du, wat ick denk?“
„Wat het dat Handy mit Tut Anch Amun tau doon?“
„Oh Oma, manchmool büs du ganz scheun swoor vun Kapee! Wenn du in dien Grav opwooken deist, langst du na dat Handy un röpst mi an oder denn Notruf. Ne, beeter mi. De glövt di bestimmt nich in de Leitstell in Stood, wenn du jem vertellst, dat du den Notruf ut´n Grav op´n Karkhoff vun Kolbingerhooben afsett hest. Nee, Oma, du röpst mi an. Kapiert?“
„Jo ick kapier wohl oober ick kann keen Handy. Bün man froh, dat ick dat mit dat swatte Telefon mit de Dreihschiew bi mi in de Stuv kinkreegen hebb.“
„Keen Probleem. Vun morn an trainiert wie en Stünn an Dach Handy. Ick bün dien Trainer. Hüt künnt wie noch dat Galaxy vun Samsung bestillen in Internet. Ick mook dat allns, brukst an Enn nur dien Kopp hinhoolen.“
„Op dat nu richtich is weet ick nich. Hebb sülbst oober ook keen beetere Idee.“

Zwei Tage später brachte Hein Tessloff das Päckchen mit Omas neuem Handy. Sie konnte sich noch gerade beherrschen bis Hini aus der Schule kam. Dann öffneten sie das Päckchen. Nix hatte sich am Samsung seit Weihnachten verändert.
„Oma, ick richt di dat nu eersmool in un dann fangt wi an mit Training.“
Oma nickte und ergab sich in alles, was ihr 11jähriger Enkel von ihr verlangte.
Das war nicht ihre Welt.
Noch nicht!
Schon nach der ersten Trainingseinheit traute Oma Else sich, ihren „Schietbüdel“ anzurufen statt ihn durch das offene Küchenfenster zum Abendbrot zu rufen. Schnell lernte sie die Vorzüge des Telefonbuches kennen. Hini hatte dort alle ihre wichtigen Nummern eingegeben. Viele waren das nicht. Zu den meisten Menschen, mit denen sie sich etwas zu sagen hatte, konnte sie ja mal eben hingehen. Schwieriger wurde es, als das Kapitel SMS und Sprachnachrichten dran war. Dank Hinis unerbittlichen Bemühungen nahm sie aber auch diese Hürde. Irgendwann, bald schon, wechselten fast täglich Kurznachrichten zwischen ihr in Dröbermoor und ihrer 14jährigen Enkelin Nadine in Hamburg Lokstedt.
„Kiek mool Hini, Nadine het mi eben´n SMS schickt mit Bild. Kann ick datt ok?“
„Jo Oma, dat künnt wie hüüt mool öben. Un dann kann ick di noch Wottsepp rünnerlooden. Denn kans nämlich Biller un Norichten verschicken ohne tau betoolen.“
„Wat allns gift, Hini!“
Jeden Tag lernte Oma Else wieder etwas Neues. In Verbindung mit Fotos verschicken hatte Hini ihr den Umgang mit der Handykamera beigebracht. Schnell füllte sich ihre Handygalerie mit unzähligen Hühnerfotos und Stilleben von frischgeernteten Salatköpfen und Mohrrüben. Als sie Grete Schlobohm am Bäckerwagen ihren ersten Dokumentarfilm von neun Legehennen und einem Hahn im Auslauf zeigte, verstummte die erst einmal fassungslos.
„Nee Else, wat du allns kanns?!“
„Jo“, antwortet Else mit Stolz, „un wenn du di ook soon Handy köffst, schick ick di mool ´n Wottsepp mit Text un Bild.“
„Dor kummt woll nix na, dat lern ick nie nich mehr.“
„Wes man nich so bang, ick bün dree Johr öller as du un har dat ook noch leert.“
Aus dem Brotbeutel erklingt die „Blaue Elise“.
„Oh, mien Handy bimmelt. Is Hini. He hett´n SMS schickt un froogt, wann ick mit de Rundstück komen dee. De Schoolbus föhrt in fiefuntwintich Minuten. Nu ward oober Tiet. Tchüß ook Grete.“
Grete bleibt noch einige Sekunden wie versteinert stehen, bevor sie sich auf den Weg ins Haus macht.
„Mööt dat denn allns ween hüüt tau Doochs“, denkt sie, während sie mit ihrer alten Einkaufstasche über den Patt zu ihrer Haustür watschelt.

Ein paar Tage später sitzen Oma Else und Hini am Mittagstisch.
„Du Oma.“
„Jo min Jung.“
„Mi döcht, dat du nu woll fit büst mit din Handy. Wart tiet, dat wi nu´n Ploon förn Ernstfall mookt.“
„Wat meenst mit Ernstfall?“
„Oooma, worüm hebt wi dat allns mookt mit dat Handy? All vergeeten? Scheintod un so!“
„Ach jo, har ick schon gor nich mehr an denkt. Jo, un wat förn Ploon? Also woför bruuk wi dat noch?“
„Oma Gravbiloogen kennt wi hier nich. Ick har noch keen Dunst nich, as wie ick dat Handy in Sarch kreegen schall. Oober dor fallt mi noch wat in. Wi mookt eerst mool ´n Öbung. Lech di mool op dat Sofa mit dien Krüz op dat Polster jüst so as in Sarch un diene Hann de packst du öber Krüz op diene Boss.“
Ganz geheuer  war Oma Else diese Ernstfallübung nicht, aber sie tat, was ihr Enkel verlangte. Als alles zur Zufriedenheit von Hini arrangiert war, holte er Omas Pillentasche und schüttete den Inhalt auf den Stubentisch.
„Jung, hör op, wat schall dat?“
„Ick bruk´n Platz för dat Handy, een Platz denn du ook in Dustern weller erkennen kannst. Un ick harr dor son Idee.“
Er zwängte das Handy in die Tasche, einen zweiten Akku und die Pillen noch dazu. Der Reißverschluss ließ sich man so gerade eben noch schließen.
„So Oma, nu fangt Deel twee vun uuse Öbung an. De Tasch mit dat Handy liggt an diene rechte Siet. Loot diene rechte Han foolen un du hest de Tasch.
Probeer mool.
Un nu kanns de Tasch mit´n beeten Hölp vun de linke Han open mooken. Jo so is goot!“
Oma macht alles, wie Hini angeordnet hat.
„Oh nee, harr ick mi doch furts dacht. Taueerst rüscht mi all mine Pillen wech!“
„Nich so slimm, de bruukst du in denn Momang nich. Du wull doch rut ut de Kist, oder?“
„Jo, wenn du dat so seggst. Un dat hier, wat is dat?“
„Reserveakku Oma, dat öövt wi noch. Nu nimm mool dat Handy un röp mi an.“
„Wieso, du büst doch hier. Wie künnt doch schnacken.“
Hini verdreht die Augen.
„Oma, du liggst in Saarch, hest du dat forgeeten?“
„Ach jo, un nu schall ick di anropen? Mööt dat ween?“
„Jo Oma, wi öövt dat allns so as in Ernstfall. So ist dat nu mool bi een echte Ööbung.“
Hinis Handy klingelt.
„Hini Tietje hier un keen is door?“
„Nu bölk doch nich so. Hier is dien Oma in Saarch op´n Karkhoff. Goot so?“
„Jo ganz goot. För´n Anfang tauminst. Hest du Licht in dien Saarch, Oma?“
„Nee, wo givt denn so wat?“
„Sühst du! Nu ward in Dustern traineert. Ick bind di de Oogen dicht. So, kann doch dine ollen wullen Strümp mit de Lökers vun Neihdisch nehmen?“
Und schon liegt Oma mit verbundenen Augen und gefalteten Händen auf dem Sofa, das Handy griffbereit neben sich in der kleinen bestickten Pillentasche. Zwei Mal hat es jetzt schon ganz gut geklappt. Das letzte Mal hat Hini nicht mehr abgenommen. Das fand Oma Else nicht gut, weil sie inzwischen gelernt hat, dass bei einer Ernstfallübung alles ganz echt sein muss.
Und dann passiert, womit keiner gerechnet hat. Grete Schlobohm will Else besuchen. Und wie sie es immer macht, wenn sie rüberkommt, legt sie beide Hände an den Kopf, drückt ihr Gesicht gegen die Stubenscheibe, um zu gucken, ob Else wohl irgendetwas Neues in der Stube hat.
Was sie heute sieht, schlägt ein wie ein Blitz. Da liegt ihre Nachbarin aufgebahrt auf dem Sofa mit gefalteten Händen und verbundenen Augen. Der Jung sitzt neben seiner Oma und guckt auf sein Handy, als wüsste er nicht, was zu tun sei. Schnell humpelt sie zur Tür, zwei Schritte weiter und sie steht in der Stubentür.
„Hini mien Jung, wat is? Is dien Oma doot bleeben?“
„Nee Tante Grete, noch nich richtich. Oober lang wart nich mehr duern…“
Die Erklärung hörte Grete nicht mehr. Sie war schon auf dem Weg zur Tankstelle schräg gegenüber, um zu erzählen, dass Else im Sterben liegt und ihr Enkel mit dem Handy neben ihr sitzt, um seine Eltern zu benachrichtigen.
„Wi mööt uuse Noobers hölpen“, sagt Seniorchef und eilt rüber zu Else Tietjes Haus. In seinem Gefolge der Lehrling, eine Kundin aus der weiteren Nachbarschaft und, mit etwas Abstand, Grete Schlobohm. Gerade, als sie im Flur standen hörten sie Elses kräftige Stimme aus der Wohnstube:
„Hier is dien Oma ut´n Saarch op´n  Karkhoff. Hol mi hier furts rut. Dat is hier duster und kolt is dat ok.“
„Jo Oma, biet de Tähn tohoop, schluck een vun diene Kreislaufpillen un kiek so lang de Billers op dien Handy an. Ick kümmer mi üm allns. Ciao Oma!“
Leise schleichen sich die Nachbarn wieder aus dem Haus. Willem Steenbarg von der Tankstelle spricht aus, was alle denken:
„Nu is so wiet. Keen har dat denkt, dat dat so fix geiht. Güstern weer se noch ganz kloor in Kopp. Wi mööt mit Heike un Hermann schnacken. Wenn Else so mall in Kopp is, kanns se doch nich denn ganzen Dach mit denn Jung alleen in´t Huus looten.“

Sonntag nach dem Mittagessen fragt Heike Tietje Hini und ihre Schwiegermutter, ob ihnen etwas an Willem Steenbarg aufgefallen wäre.
„Nö“, kam es wie aus einem Munde.
„Der hat mir gestern so wirres Zeug erzählt. Oma hat aus dem Sarg vom Friedhof angerufen und ich sollte mich mal um sie kümmern. Hermann, wir sollten vielleicht mal mit Gerda und Heinz reden. Willem wird langsam etwas wunderlich. Sie sollten ihm besser die Tankstelle nicht allein anvertrauen, wenn sonst keiner aus der Familie da ist.“
„Ja, Donnerstag fahren wir ja zusammen zum Kegeln. Da sprechen wir das mal vorsichtig an.“

Kaum, dass Oma und Hini allein waren, rätselten sie, wie Willem Steenbarg an Informationen über ihren Geheimplan gekommen sein mag.
„Dor mööt wolle een luschert hebbn. Anners kann ick mi dat nich verkloorn“, spricht Oma vor sich hin. „Grete viellicht?“
„Is hüüt noch mool Training, Hini?“
„Jo Oma. Noch´n ganz wichtige Ööbung. Akkuwesseln in Dustern!“
„Akkuwesseln?“
„Jo, Akkuwesseln un Pin code butenkopps leern. Ganz wichtig!“
„Worüm?“
„Dat kann ween, dat du eerst twee oder dree Dooch na de Beerdigung opwooken deist. Un nu stell di vör, du wullst mi anropen un dann, jüst dann, mookt dien Akku schlapp!? Un na´n Akkuwessel brukst du din Pin Code. So is dat nu mool.“
Auch diese Übung saß nach einigen Tagen perfekt. Hinis Kommandos hörten sich an, als würde auf dem Kasernenhof Rekruten drillen.
„Licht ut! Handy ut de Tasch! Deckel rünner! Akku rut! Neegen Akku rin! Pin ingeben! Hinis Nummer anropen!“
Oma war fit im Handy. Besser als manch einer von Hinis Klassenkameraden.
Oma Else hatte keine Angst mehr vor dem Sterben. Der Ernstfall konnte kommen.

Hini hatte schon seinen 12. Geburtstag gefeiert. Oma Tietje beherrschte ihr Handy meisterhaft. Ernstfallübungen führten Oma und Enkel nur noch in unregelmäßigen Abständen durch. Inzwischen vergisst Oma auch nicht mehr ihr Calzium Präparat zu schlucken. Immer am Donnerstagnachmittag pünktlich um 15.30 Uhr klingelt der Handywecker mit der „Blauen Elise“. Hat Hini ihr eingestellt, weil sie die Melodie so gern hat. Also, wenn die „Blaue Elise“ Donnerstagnachmittag ertönt, geht Oma Tietje zum Küchenschapp, murmelt etwas wie: „Is all weller so wiet? De Tiet de rast as ´n D-zug.“
Ja, seit Oma Else den Handywecker entdeckt hatte, vergaß sie die Pillen nicht mehr.

Und dann? Dann ist es passiert mitten in einer Sendung über den neuen Präsidenten von Amerika. Oma Else mochte ihn partout nicht. Immer wenn er in den Nachrichten zu sehen war, regte sie sich fürchterlich auf.
„Nee, so een Keerl ohne Manieren, und denn noch de Frisuuuer. Süht doch ut as har he een Toupet ut dat Fell vun Eekkoter. Het jo nur Flusen in un op´n Kopp. Grapscht de Fruunslüe an´e Boss un an Moors. Nee, Präsident hin, Präsident her, dat Swienigel kümmt mi nich in´t Huus.
Wi sünd froh, dat de Muer in Berlin wech is un hei wull nu een poor dusend Kilometer lange Muer eenmool quer dör´n Kontinent buun. Givt denn so wat! Hini mark di de Visasch. Wenn de bi uus an de Huusdöör bimmelt, sechst du `Mien Oma is nich tau Huus un sleis de Döör dicht!“

Als Hini in die Stube kam, glaubte er, dass Oma vor dem laufenden Fernseher eingeschlafen sei. Donald Trump warf gerade verzweifelten Puertoricanern, die von ihrem Präsidenten nach dem schweren Hurrican Wasser, Nahrung und Geld erhofft hatten, Päckchen mit Haushaltspapier Rollen zu.
Ob es das nun war, was Oma den Tod gebracht hatte, lässt sich nicht eindeutig sagen. Als der Doktor kam, um den Tod festzustellen, saß die Oma immer noch auf dem Sofa mit der rechten Hand auf der linken Brust.
„Herzversagen“, sagte der Doktor aus Friedeberg und stellte den Schein aus.

Noch vor Mitternacht kam der alte Grabowsky mit dem nur wenige Jahre jüngeren Altgesellen Henry Schmidt von der Tischlerei Grabowsky und Sohn. Tischlerei und Beerdigungsunternehmen liegen hier noch häufig in einer Hand, obwohl die Särge inzwischen fast alle aus polnischen Fabriken kommen. Grabowsky sagt immer: „För dat Göld kann ick keen Geselln an´e Maschin stelln.“
Hini verfolgte aufmerksam die Vorbereitungen und den Abtransport der Oma. Grabowsky ging noch einmal mit seinem traurigsten Gesicht von einem zum anderen und wünschte herzliches Beileid. Schmidt saß schon im Leichenwagen, der so alt war, dass er auch mit dem steuerbegünstigten Oldtimerkennzeichen hätte fahren dürfen.
Zum Schluss drückte Grabowsky Hini die Hand.
„Doot mi Leed mien Jung. Bileed!“
Hini folgte ihm zum Auto.
„Herr Grabowsky.“
„Jo.“
„Künnt Se dat Päckchen in Sarch vun miene Oma packen?“
Der beugt sich zu dem Jungen runter und flüstert fast.
„Nee mien Jung, geiht nich. Is in Dütschland nich erlaubt. Dat dröff ick nich.“
„Doch, dat mööt Se mooken. Eenmool ´n  Uutnoohm. Ick har dat mien Oma versproken, dat ick ehr  ehre Pillen mit op de Reis geev. Dat wür se beruhigen för de eersten Dooch. Looter kricht se woll wat in Heeben. Ick geev mien Ehrenwör un se weer beruhigt. Wenn ick nich dorvör sorgen dee, dat se eehre Pilln ha, kann ick mien ganzet Leeven nich mehr glücklich ween.“
„Na denn, giv man her. Oober keen Wör tau nüms nich! Is dat kloor?“
„Klor!“
Ohne dass jemand aus der Familie es gewahr wurde, wechselte Oma Elses Pillentasche in die Hand von Hannes Grabowsky.

Die nächsten Tage musste im Hause Tietje viel organisiert werden. Herman Tietje fragte immer mal wieder, ob irgendjemand Omas Handy gesehen hätte.
„Ruf sie doch mal an“, meinte Heike.
Als sie Hermanns vorwurfsvollen Blick sah, wusste sie schon, was sie da soeben gesagt hatte.
„Na ja, ich meine natürlich ihr Handy.“
Hermann ruft Omas Nummer auf seinem Handy auf, Heike geht lauschend durch Omas Wohnung.
„Gibt es denn ein Zeichen?“
„Ja, ihre Mailbox geht an.“
Hermann wiederholt Elses Worte.
„Moin, moin. Ick bün jüst nich bi mien Handy viellicht bün ick in Goorn, bien Bäckerwoogen oder de Heuhner füttern. Oder ick bün viellicht noch ganz wo anners. Wull du mie wat vertelln, kanns dat no denn Piep mooken oder du kummst eben mool rööber.“
Piep!
„Modder, ick wull nur mool eben weeten, wo du dien Handy hest.“
Hini und Heike konnten sich kaum einkriegen vor Lachen. Hermann brauchte ein wenig bis er begriff hatte, dass er von seiner Mutter keine Antwort bekommen würde.

Donnerstag wurde Else Tietje zu Grabe getragen. Fast ganz Dröbermoor folgte dem Sarg von der Kirche zum Friedhof. Einige ältere Herren trugen einen Zylinder wie es ganz früher noch üblich war. Die Kirchturmuhr schlug einmal, es war halb vier.
Um 16 Uhr saßen die Sargträger bei Harry am Tresen und tranken ihr Freibier, das sie sich nach jeder Beerdigung mit Firma Grabowsky und Sohn hier abholen durften. Otto Zimbalsky, der noch einigermaßen gut hören konnte, fragte in die Runde:
„Hebt ji  de „Blaue Elise“ hört, as de Karkenklock halvich veer bimmelt het?“
Nein. Von den alten Männern hatte es niemand gehört und überhaupt was ist das für eine komische Frage?
„Prost!“
Aber jemand anders hatte die „Blaue Elise“ gehört.
„Danke Herr Grabowsky“, flüsterte Hini als der Bestatter ihm am offenen Grab seiner Oma ein erneutes Mal sein Beileid aussprach. Grabowskky zwinkerte ganz kurz mit einem Auge und antwortete mit einem kurzen Händedruck.






Sonntag, 22. Oktober 2017

Magst du schwabbelige Eier



Manfred, mein Schwager, ist zu Jodi, einer New Yorkerin, gezogen.  Beide reisen für  ihr Leben gerne. Gerade haben sie beschlossen, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen wollten und haben kurzerhand ein Reise Start Up  gegründet. Sie planten junge Deutsche mit Kleinbussen und Campingausrüstung quer durch die USA von der Ost- bis zur Westküste bringen ohne auch nur einen einzigen der großen Nationalparks auszulassen.
Vernetzung ist alles. Irgendwo in NY durften sie bei Freunden von Verwandten eine kleine Ecke eines Büros benutzen. Es wurde nicht mehr als ein Schreibtisch mit zwei Stühlen und einem Telefon benötigt. Wohnen konnten sie vorerst mietfrei in einem Nobelappartement in Manhattan. Verwandte hatten die Wohnung geerbt und freuten sich, dass sie mit Jodi und Manfred Bewohner gefunden hatten, die potentiellen Einbrechern signalisierten, dass die Wohnung belebt sei.
Was für ein Glück in dieser Stadt, wo die Mieten längst schon jedes gesunde Maß überschritten hatten.  Leider war es eine etwas unsichere Angelegenheit. Das Ende ihres Glückes  würde irgendwann mit dem Glück ihrer Verwandten zusammenfallen, wenn die nämlich die Wohnung zu dem gewünschten Preis an den Mann oder die Frau gebracht hätten.
Glück  für   Ulla und mich. Wir wurden nach NY eingeladen und konnten mitten in Manhattan wohnen. So wurde unsere erste USA Reise für uns überhaupt erst erschwinglich. Mehrere Tage erschlossen wir uns diese neue, aufregende Welt, hin und wieder auch gemeinsam mit Jodi und Manni. Einen Tag waren wir im Central Park auf einer Liegewiese zum Picknick verabredet. Dank guter Beschreibung fanden wir uns schnell. Die Decke mit den Picknick Utensilien war schon ausgebreitet.
„Wir müssen noch etwas warten, Amos ist noch nicht da.“
Amos ist ein Freund unserer Gastgeber, der auch gelegentlich in der Firma aushalf.
Und dann kam Amos. Ein freundlicher Junge, der sich gleich völlig unkompliziert auf der Decke niederließ.
„Gutten Tak, I´m Amos.“
Amos war auf die Begegnung mit uns Deutschen vorbereitet. Er zeigt auf das  Essen.
„Picnic,  you understand?“
„Ja, wir sagen auch Picknick. Do you speak German?“
„Yes …ja!“
„Wo lebst du? Auch hier in New York?“
„Magst du schwabbelige Eier?“
„Wie bitte?“
„Magst du schwabbelige Eier?“
„Meinst du, ob ich schwabbelige Eier mag?“
Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich richtig verstanden hätte.
„Magst du schwabbelige Eier?“
„Nein, das ist eher nicht so mein Ding.“
Amos unterhält sich mit Jodi und Manni. Plötzlich kreuzen sich unsere Blicke. Er lächelt freundlich und fragt:
„Magst du schwabbelige Eier?“
Ich habe wohl etwas irritiert geguckt. Jodi und Manni lachten, was mich nur noch mehr verunsicherte.
Als Amos dann in diesen Moment noch einmal in bestem Deutsch fragte:
„Magst du schwabbelige Eier?“ löste Manni das Rätsel um die schwabbeligen Eier auf.
Amos war vor einigen Jahren als Student durch Europa gereist – auch durch Deutschland. Im engen Abteil einer fränkischen Regionalbahn guckte er einer alten Frau zu, wie sie sich ihren Reiseproviant zubereitete. Als sie sich gerade ein gekochtes Ei auspellte, bemerkte sie, dass Amos ihr zusah.
Er lächelte, was sie als Aufforderung zum Dialog auffasste.
„Magst du schwabbelige Eier?“
Amos versuchte ihr auf Englisch klarzumachen, dass er sie nicht verstehe.
Das wiederum verstand die Frau nicht. Sie wollte dem fremden Jungen, der nicht einmal eine verständliche Sprache sprach, etwas Gutes tun und reichte ihm das frischgepellte Ei entgegen.
Etwas lauter als zuvor, der Junge versteht sie ja sonst nicht, fragte sie ihn:
„Magst du schwabbelige Eier?“
Amos guckte auf die runzeligen grauen Hände der Frau, vielleicht eine Kleinbäuerin, zumindest eine Gärtnerin, und hatte nicht so großen Appetit auf das großzügige Angebot seiner Reisebegleiterin. Die wiederum wiederholte ihr Angebot noch einmal etwas lauter und eindringlicher.
„Magst … du …  schwabbelige …  Eier?“
Amos ist nicht sprachunbegabt und es reizte ihn, die immer wiederholten Worte nachzusprechen. Etwas unbeholfen wiederholte er die Worte der Frau.
„Magst … du …..  schwabbel--ige …  Ei--er?“
„Nein, ich nicht aber du? Magst … du …  schwabbelige …  Eier?“
Amos nimmt endlich das ihm entgegengestreckte Ei und macht noch einen Versuch in die fremde Sprache einzusteigen.
„Magst … du …..  schwabbel--ige …  Ei--er?“
„Nein, mein Junge. Magst du ein bisschen Salz?“
Ohne eine Antwort abzuwarten, ließ sie einige Salzkörner auf das gepellte Ei rieseln.
„Thank you.“ Und dann schnell noch hinterher, gerad so, als wollte er seiner Lehrmeisterin beweisen, was für ein guter Schüler er sei, wiederholte er noch mit hartgekochtem Ei im Mund:
„Magst du schwabbelige Eier?“
Die Frau lachte. Sie mag wohl gedacht haben, was diese Ausländer doch blöd sind. Andernfalls  müssten sie ja wohl etwas besser Deutsch können. Dann packte sie ihre Sachen zusammen, schob die Abteiltür auf, drehte sich noch einmal zu dem netten aber dummen Jungen um und nickte ihm mit einem freundlichen Abschiedslächeln zu.
Und der dumme Junge aus Amerika, der trotz acht Semester Betriebswirtschaft und Politik kein Deutsch konnte, verabschiedete sich mit einem „ Bye“.
Und, als wolle er seine Abschlussprüfung in Deutsch ablegen, haute er noch einmal  sein nahezu gesamtes Repertoire der Sprache des Landes, das er gerade bereiste, raus:
„Magst du schwabbelige Eier?“

Das erzählte uns Manni auf Deutsch. Amos verfolgte das Geschehen mit wachem Blick. Er verstand natürlich ohne Probleme, worum es ging. Nachdem unsere Heiterkeit sich gelegt hatte, wandten wir uns endlich dem Picknick zu.

Ach so, schwabbelige Eier waren nicht dabei.

Dienstag, 16. Mai 2017

Das Vermächtnis des Heiratsschwindlers



Wir hier in Friedeberg leben, wie man in Norddeutschland sagt, weit vom Schuss. Trotzdem geht es uns  noch in mancher Hinsicht besser als so manch einem der umliegenden Dörfer. Wir haben noch zwei Gaststätten, zwei Bankfilialen, einen Arzt, eine Apotheke, zwei Bäcker und unseren EDEKA Markt. Außerdem haben wir  eine Wasserverbindung zur Elbe und könnten, rein theoretisch, jede Hafenstadt der Welt, wenn sie denn nicht an einem Binnenmeer liegt, direkt von Friedeberg mit dem Boot ansteuern.  Wir haben den schönsten Erntedank Altar und bis vor kurzem hatten wir auch noch unseren eigenen Heiratsschwindler.
Richtig gelesen. Bis vor kurzem.
Bringfried von Bärenfels stand auf seiner Karte.
„Von den Bärenfels aus Pommern?“  wurde er häufiger  schon gefragt.
Er pflegte dann zu antworten:
„Nicht direkt. Ich entstamme einer Nebenlinie, die nun schon seit mehreren Generationen in Chile lebt.“
Wenn er nicht „im Dienst“ war, was so gut wie nie geschah, gab es noch den Namen den er von seinen Eltern mitbekommen hatte: Hans-Otto Schlingbier. Die Schlingbiers stammen übrigens, wie der Hauptzweig derer von Bärenfels, ebenfalls aus Pommern. Damit endet dann aber auch schon jegliche Gemeinsamkeit.
Fast!
Seine gepflegte Erscheinung,  gutes Benehmen, sein sicheres Auftreten und die charmante Art seine Mitmenschen zu unterhalten,  hat er sich antrainiert. Ohne irgendjemanden aus der Familie von Bärenfels persönlich zu kennen, hatte er sich in seinem Kopf ein Bild seiner Wahlfamilie zurechtgelegt, dem er in jeder Hinsicht zu entsprechen versuchte.

Als von Bärenfels vor einigen Monaten in Friedeberg auftauchte, hieß er bereits wieder Schlingbier, weil ihm ein kleinlicher Richter am Landgericht in Itzehoe bei Androhung einer weiteren Strafe verbot, seinen adligen Wahlnamen weiter zu führen. Das war dann auch nicht so schlimm, weil da, wo er die letzten drei Jahre verbringen musste, sich ohnehin niemand von seinem Adelstitel hätte beeindrucken lassen. An seiner Zellentür stand jedenfalls Schlingbier und nicht Bärenfels.
Über 20 Jahre hatte Schlingbier als von Bärenfels sehr erfolgreich als Selbstständiger gearbeitet. Sein Geschäftsmodell war nicht neu aber eben sehr erfolgreich. Immer wieder fanden sich ältere Witwen mit größerem Vermögen und sehr großem Verlangen nach Liebe und Aufmerksamkeit. In der Annahme die Liebe fürs Leben gefunden zu haben, ermöglichten sie ihm Zugang zu ihren Konten und Depots. Enttäuschung und Scham hielten seine Opfer von Anzeigen ab oder es gelang ihm, für einige Monate auf irgendeiner spanischen Urlaubsinsel unterzutauchen, bis sich die Verfolgungsbehörden anderen, aktuelleren und wichtigeren Fällen zugewandt hatten. Es lief so gut die Jahre und so hätte es gern auch noch weitergehen können, hätte er nicht der Versuchung nachgegeben zwei Frauen gleichzeitig glücklich zu machen. Immer wieder musste er auf Geschäftsreise nach Bad Oldesloe und von dort wieder zurück nach Kellinghusen zu seiner Freundin mit den Zementaktien. Ich weiß nicht, was den Schwindel auffliegen ließ. Verhängnisvoll war jedenfalls, dass sich beide betrogenen Frauen zusammentaten und von Bärenfels durch ihre Aussagen für drei Jahre hinter Gitter brachten.

In Friedeberg ist er auf dem Weg zu Alma Wehrfritz gestrandet, einer alten „Freundin“, der er aus der Haftanstalt geschrieben hatte. Sie hatte ihm verziehen und schrieb, dass er „danach“ gerne bei ihr wohnen dürfe. In Friedeberg angekommen musste Schlingbier dann bedauerlicherweise feststellen, dass Alma bereits vor vier Wochen auf den Friedhof umgezogen war. Ihr Restvermögen ist zwar nicht mit umgezogen, war jedoch bei irgendwelchen Erben gelandet.
Schade! Vielleicht hätte er daraus ja noch etwas machen können.
Was tun?
Sein ganzer Lebensplan war auf eine gemeinsame Zukunft mit Alma Wehrfritz ausgelegt. Mit dem Geld vom Amt nahm er sich eine Wohnung im alten Mehrfamilienmietshaus am Totengang. Oh, was für edlere Quartiere hatte er schon gehabt! Dennoch, schöner als sein Zimmer in der JVA war es hier noch allemal.
Was als Übergang gedacht war, wurde sein letztes Quartier.
Bevor er wieder als von Bärenfels arbeiten konnte, folgte er Alma Wehrfritz in den Himmel. Niemand in Friedeberg wusste, was da eigentlich in seiner Wohnung geschehen war. Schlingbiers Vermieter hat ihn tot auf dem Sofa vor laufendem Fernseher und übervollem Aschenbecher gefunden. Hans-Otto von Bärenfels, den es ohnehin nie gegeben hatte, verschwand aus Friedeberg. Zurück blieben ein paar persönliche Besitztümer, nicht mehr als in einen Koffer passen, und ein älterer Audi, der im Hof des Mietshauses parkte.
                                                 

Wo Schlingbiers sterbliche Überreste geblieben sind, weiß ich nicht. Seine paar Habseligkeiten befanden sich beim Abtransport seines Leichnams gepackt im Koffer, als habe er gewusst, dass es demnächst auf eine weite Reise gehen würde. Irgendjemand, der wusste, dass ungeklärte Erbschaften eine Wohnung monatelang blockieren konnten, hatte den Nachlass des Heiratsschwindlers übersichtlich für den Abtransport bereitgestellt. Weil Schlingbier jedoch auf seiner letzten Reise keinen Koffer benötigte, blieb der zunächst versiegelt im Rathauskeller, bis irgendwann einmal die Zuständigkeiten geklärt sein würden. Genau das aber war nicht ganz einfach, weil Schlingbier noch nicht in Friedeberg gemeldet war und in seinen Itzehoer Papieren „Aufenthalt unbekannt“ stand.
Obwohl nicht zuständig, gab das Rathaus der Gemeinde Friedeberg dem herrenlosen Koffer vorübergehendes Asyl in den Kellergewölben. Vermutlich wird in einigen Monaten ein Mitarbeiter von Wolfgang Schäuble im Rathaus eintreffen und um die Herausgabe des Erbes an die Bundesrepublik Deutschland bitten. Wer immer den Koffer gepackt hatte, er wird wissen, dass die  Enttäuschung des Ministers nach Öffnung des Koffers grenzenlos sein wird. Eigentlich hätte er, also der Schäuble, wissen müssen, dass bei von Bärenfels, pardon, Schlingbier nichts zu holen sein konnte. Aber im Gegensatz zu allen anderen Erben in der Republik, konnte der Minister eine Erbschaft nicht ausschlagen.
Soweit das Schicksal des Koffers.
Nun gab es da aber noch das Auto des Heiratsschwindlers. Vermutlich würde auch das in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland übergehen. Solange aber die Zuständigkeiten nicht geklärt waren, blieb es einfach, sehr zum Ärger des Vermieters, im Hof des Mietshauses stehen. Im Rathaus ließ man den Besitzer des Hauses mit dem Hinweis fehlender Zuständigkeit abblitzen. Schließlich stünde das Auto ja auf Privatgrund.
Am nächsten Morgen stand der Audi gute hundert Meter von seinem vorherigen Standort entfernt unverschlossen am Straßenrand.

Nach mehreren Tagen meldete Werner Schlohbohm, ein Anwohner, dass da in der Straße ein unverschlossenes Auto stünde und bereits Kinder und Jugendliche darin gesehen worden seien. Man mache sich Sorgen. Was ist, wenn Jugendliche mit dem Auto eine Spritztour unternähmen?
Noch einmal einigen Tage später kam auf Nachfrage aus dem Rathaus, dass man sich nun zwar zuständig fühle, jedoch auf die Polizei warten müsse, die noch den Halter ermitteln müsse.
Die fand dann sehr schnell heraus, dass das Auto einem gewissen Hans-Otto Schlingbier gehöre und in Itzehoe zugelassen wurde. Eine Recherche beim Einwohnermeldeamt habe ergeben, dass Schlingbier unbekannt verzogen sei.
Diese Nachricht brachte den Mitarbeitern im Ordnungsamt von Friedeberg keine Neuigkeiten. Sie wussten ja schon etwas mehr über den Halter, wenn auch sein Aufenthalt inzwischen schon wieder, zumindest für die Rathausmitarbeiter, unbekannt war.
Für die Friedeberger Polizei war jetzt zumindest klar, dass der Fall des herrenlosen Autos zwischen Totengang und Arztvilla geklärt war. Für allgemeine Sicherheit sei nun das Ordnungsamt zuständig.
Einige Tage später meldet der besorgte Anwohner Werner Schlohbohm er habe, als er noch einmal mit seinem Hund los musste, zwei junge Männer überrascht, die gerade den Audi kurzgeschlossen hatten. Auf die Frage, was denn hier passiere, hätten sie gesagt: „Verpiss dich Alter!“ und sind in Richtung Arztvilla davongelaufen. Beschreiben konnte er die Täter nicht, es sei ja schließlich dunkel gewesen und die vermutlich durch einen Steinwurf zerstörte Straßenlaterne sei ja trotz wiederholter Meldung immer noch nicht repariert.
„Also, das mit der Lampe lassen wir mal ganz raus. Gemeindeangelegenheit, musst du da melden. Für den versuchten Diebstahl nehmen wir eine Anzeige entgegen, “ meinte Gerster, einer der beiden Friedeberger Polizisten, und legte deutlich widerwillig eine Akte an.
Auf dem Rückweg machte Schlohbohm einen Abstecher ins Rathaus, um zu hören, wann denn endlich mit einer Laternenreparatur zu rechnen sei.
„Dafür sind wir nicht zuständig. Wir haben den Fall aber gleich an den Stromversorger weitergemeldet.“
„Ja und? Was haben die gesagt?“
„Wird gemacht, wenn mehrere Lampen hier repariert werden müssen. Sonst lohnt der Einsatz des Hubwagens nicht.“
„Und das Auto? Der Audi vor meiner Tür. Wann verschwindet der endlich?“
„Nun mal ganz ruhig, da sind wir dran.“
Schlohbohm verließ mit knappem Gruß und starker Erregung das Rathaus. Er hatte es doch damals schon geahnt, als er noch im Rat saß und mit ungutem Gefühl dem Antrag des Bürgermeisters auf Privatisierung der Wartung der Straßenbeleuchtung zugestimmt hatte.
Wann hat Privatisierung von öffentlichen Aufgaben schon einmal nachhaltigen Vorteil für das Gemeinwesen gebracht?
Schlohbohm fiel kein Beispiel ein.
Auf dem Hof des Hauses am Totengang lag ein kleiner Haufen weißer, etwa hühnereigroßer Ziersteine. Ganz kurz durchzuckte ihn ein Gedanke, den er jedoch schnell wieder verwarf.
Selbstjustiz war nicht sein Ding. Und überhaupt, wenn ihn jemand beim Versuch, die Straßenlaternen in seiner Straße kaputtzuschmeißen, sehen würde?
Nein, völlig ausgeschlossen.
Auf der anderen Seite, für den Stromversorger würde es sich dann schon lohnen, den Hubwagen zu schicken.
Beim Mittagessen erzählt er seiner Frau, was ihm bezüglich der Straßenbeleuchtung durch den Kopf gegangen sei. Sie fand die Idee eigentlich gar nicht so schlecht. Allerdings bezweifelte sie, ob er überhaupt noch die Kondition habe eine Straßenlaterne, geschweige denn mehrere kaputtzuwerfen.
Das fand Schlohbohm etwas gemein, obwohl er auch nicht so recht an sich glaubte.
Trotzdem, sie hätte es ja nicht sagen müssen.
Bis nach der Mittagsstunde hatte er keine Lust mehr zu reden.

Um zwei Uhr morgens wachen die Schlohbohms von Sirenenlärm auf. Blaulicht zuckt durch das Schlafzimmer, aufgeregte Kommandos sind durch das geschlossene Fenster zu hören.
Schlohbohm zieht sich seinen alten, schon etwas verschlissenen Bademantel über, schlüpft in seine Hausschuhe und verlässt das Haus, um zu sehen, was passiert ist. Mehrere Feuerwehrfahrzeuge und ein Polizeiauto sorgen mit ihren Blaulichtern für eine ungewollte Lichtinstallation der besonderen Art.
Schlohbohm fragt einen Feuerwehrmann, der sich gerade eine Zigarette anzündete, was denn los sei.
„Fred Köneckes Schuppen hat gebrannt. Ist aber alles in Ordnung. Blöd war, dass ein Auto direkt vor dem Hydranten stand. Hat unnötig Zeit gekostet.“
Der Audi! Ja jetzt bemerkte er es. Das Ärgernis der letzten Wochen stand nicht mehr gegenüber seiner Auffahrt.
„Wo ist das Auto geblieben?“
„War nicht abgeschlossen. Wir haben ihn dahinten auf den Parkplatz hinter dem Mietshaus geschoben. Vor dem Arzt Haus!“
Schlohbohm wurde kalt in seinem Bademantel und er kehrte mit den aufregenden Nachrichten über den Brand  aber ganz besonders auch über den verschwundenen Audi ins Haus zurück.
In den nächsten Tagen beherrschte die versuchte Brandstiftung das Dorfgespräch.

Dann aber meldete sich der Audi des Heiratsschwindlers zurück. Er stand mit geöffneter Fahrertür auf dem Parkplatz des Mietshauses. Schlohbohm konnte es aus seiner Schlafstube sehen. Bei seinem nächsten Gang mit dem Hund suchte er den Audi auf, um die Tür zu schließen. Da sah er, dass das Radio fehlte.
„Lieber nichts anfassen“, sagte er sich und ging weiter.
Einen Tag später schreckte ihn blecherner Lärm aus der Mittagsstunde. Vier oder fünf Kinder hatten den herrenlosen, unverschlossenen Audi entdeckt und tanzten auf Dach, Motorhaube und Kofferraumdeckel. Eigentlich wollte er das Fenster öffnen und die Kinder von ihrem Spielplatz vertreiben. Dann aber besann er sich eines Besseren und rief im Rathaus an.
Ohne seinen Namen zu nennen rief er dem verdutzten Angestellten zu, wann denn endlich der verfluchte Audi aus seiner Straße verschwände. Fred Glüsing, seit Jahrzehnten vertraut im Umgang mit Zornausbrüchen seiner Mitbürger, blieb die Ruhe selbst.
„Herr Schlohbohm, wir hatten Ihnen doch gesagt, dass wir dran sind.“
„Es ist aber nichts passiert!“
„Wir sind ja auch nicht mehr zuständig. Der Wagen steht ja jetzt nicht mehr auf öffentlichem Grund. Jetzt ist der Besitzer des Mietshauses verantwortlich und den können wir schon seit Tagen nicht erreichen. Soll auf Safari in Südafrika sein. Kann man nichts machen. Sowie er zurück ist, kriegen wir das Problem in den Griff. Haben Sie Vertrauen zu uns!“
Vertrauen?? Schlohbohm beendet grußlos das Gespräch.
Mittags bringt der Postbote einen Brief vom Landkreis, in dem er lesen konnte, dass man sich nun in einem gemeinsamen Termin von Jugendamt, Polizei, Gemeinde, Schule und Kirche am 23. März mit dem Problem des Fahrzeuges IZ-VB-734 im Siedlerweg beschäftigen werde.
Mit freundlichem Gruß
Der Landrat

23. März? In vier Wochen? Das muss doch schneller gehen! So kann es jedenfalls nicht weitergehen!

Karin Schlohbohm rief nun schon zum zweiten Mal zum Kaffee. Als Werner wieder nicht antwortete machte sie sich auf den Weg zu seinem Arbeitszimmer, um ihn zu holen.
„Werner Kaffee!“
„Hmm!“
Und nichts passierte, als hätte er sie nicht gehört. Helga schaut ihm über die Schulter. Werner sitzt vor dem PC und ist in einen Film vertieft. Ein junger Mann hantiert unter dem Armaturenbrett eines Autos und erklärt, was zu tun sei, um „ihn“ zum Laufen zu bringen.
„Willst du wieder mit dem Autobasteln anfangen?“ fragt Helga Schlohbohm erstaunt ihren Mann.
„Ja, vielleicht. Das hier habe ich früher auch schon mal an meinem ersten Wagen gemacht. Irre, was man im Internet alles finden kann.“
„Nun komm man erst einmal zum Kaffeetrinken.“
Heute muss etwas passieren, heute Nacht, wenn ich vom Kegeln zurückkomme, denkt Werner und gießt sich die zweite Tasse Kaffee ein.

Am nächsten Morgen klingelt es an der Tür. Die Schlohbohms sitzen noch am Frühstückstisch. Vor der Tür stehen die beiden Polizisten der Friedeberger Wache.
„Dürfen wir reinkommen?“
„Na klar!“
Gerster und Timm werden an den Frühstückstisch gebeten. Helga Schlohbohm gießt ihnen eine Tasse Kaffee ein.
„Weshalb wir hier sind, ist euch heute Nacht irgendetwas aufgefallen?“
Bevor Werner antworten kann sagt Helga schon: „Nöö, is was?“
„Der Wagen vom Heiratsschwindler ist weg.“
„Häh? Heute Nacht, als ich vom Kegeln kam, war er noch da. Da habe ich noch gedacht „wann passiert hier endlich einmal etwas mit der Karre?“
„Wir haben den Wagen heute Morgen im Friedeberger Fleet zwischen Friedeberg und der Moorkreuzung gefunden. Das Auto war offensichtlich kurzgeschlossen. Hülsen von der Citroen Werkstatt hat ihn rausgezogen und ihn dann auf seinem Platz abgestellt.“
„Und“, fragt Timm noch einmal, „nix gehört?“
„Nee“, gibt Helga zurück. „Wir schlafen ja mit Stöpseln im Ohr seit „die“ hier alle wohnen. Ist ja immer laut hier.“
„Na, ja, Werner, du hast ja schon immer gesagt, dass da mal was passiert. Und nun ha´m wir den Salat. Komm Kalle, kannst jetzt Bericht schreiben.“
Die beiden freundlichen Polizisten verließen das Schlohbohm Anwesen, Werner kehrte kopfschüttelnd zum Frühstückstisch zurück.
„Hab’s doch gewusst, dass das nicht gut geht. Gott sei Dank ist wohl niemand zu Schaden gekommen.“


                               

Zufrieden greift Schlohbohm zur Zeitung, schenkt sich entgegen aller Gewohnheit eine dritte Tasse Kaffee ein und denkt: „Ist doch optimal gelaufen. Und das mit den Laternen kriege ich auch noch hin. Zwar nicht mit Steinen aber mit Opas Kleinkalibergewehr. In der nächsten Unwetternacht gehen hier so viele Lichter aus, dass es sich lohnt, den Hubwagen zu schicken.“
Niemals hätte er bis zum heutigen Morgen geglaubt, dass man durch kriminelles Handeln so viel Befriedigung erfahren kann.

Und noch einer hatte Anlass zu großer Freude: Fred Glüsing, Leiter des Ordnungsamtes. Nachdem er es hinbekommen hatte, dass der Wagen des Heiratsschwindlers bei Hülsens Werkstatt auf dem Platz stand und nicht, wie erst von der Polizei gewünscht, auf dem Bauhof, bekam er Besuch von einem Beamten der Oberfinanzdirektion Hannover. Der Herr legte ein Schreiben seines obersten Dienstherren, dem Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland, vor, aus dem hervorging, dass er autorisiert sei, den Nachlass des Hans-Otto Schlingbier entgegenzunehmen.
Die Freude von Wolfgang Schäuble, dem Finanzminister, über diese Erbschaft dürfte nur von kurzer Dauer gewesen sein. Der Koffer aus dem Keller des Rathauses enthielt nichts, das sich zu Geld machen ließe. Das Auto hatte nur noch Schrottwert und wurde noch in Hülsens Werkstatt zur Entsorgung freigegeben. Blieben für Schäuble noch die Bestattungskosten Schlingbiers und die Reisekosten seines Beamten von Hannover nach Friedeberg und zurück. Obwohl vom Heiratsschwindler bestimmt nicht so geplant, roch sein Abgang doch ein bisschen nach Rache für die drei Jahre Freiheitsentzug in Itzehoe.

Glüsing war durch und durch zufrieden. Der Vorgang war geschlossen. Er griff zum Telefon, wählte Schlohbohms Nummer.
„Ja, Schlohbohm.“
„Glüsing hier, Ordnungsamt. Wollte nur sagen, dass wir die Geschichte mit dem Audi in den Griff bekommen haben. Hatte ja gesagt, dass wir dran sind. Regelt sich doch alles.“
„Danke, hab wohl etwas überreagiert. Ihr seid schon echt gut, Jungs. Danke. Und das mit der Laterne vor meinem Haus bekommt ihr auch noch hin. Bin ich mir ganz sicher!“

Das Telefon ruht wieder in der Station und Schlohbohm guckt zufrieden zur Arztvilla rüber, wo gestern Abend noch der Audi mit offener Tür, Beulen im Dach und ohne Radio stand.